Klinische Philosophie

Klinische Philosophie und

klinisches Philosophieren

"Aber der Gesunde, dessen Seele offen geworden ist an den Grenzen, untersucht im Psychopathologischen, was er selber der Möglichkeit nach ist oder was ihm in der Ferne und Fremdheit wesentlich wird als Sprache von der Grenze her. Scheu und Ehrfurcht vor gewissen Weisen des Krankseins ist nicht nur historisch ein Tatbestand des Aberglaubens, sondern dauernd sinnvoll"

Karl Jaspers: Allgemeine Psychopathologie 1923/1973, S. 658;

siehe dazu auch Thomas Fuchs: Anthropologische Aspekte psychischer Erkrankung (2016)



"Die Krise des Individuums erfolgt jetzt jedoch nicht nur im Zwischen, sondern auch bei der Begegnung mit dem Fremden. Das Selbst ist nicht nur in seinem (vertrauten, aber gleichzeitig sozusagen ur-unheimlichen) Grund, son-dern auch stets vom Außen bedroht. Das Selbst ist von beiden Seiten gefähr-det. In diesem Sinne ist unsere Erfahrung immer die Gefahr. Die Klinische Philosophie untersucht den Menschen in dieser Erfahrung/Gefahr. […] Psy-chiatrie des Zwischen begegnet der Philosophie, oder besser, erst in dieser Be-gegnung entfaltet sie sich zum Konzept der Klinischen Philosophie. Deren Entstehung selbst ist schon ein Phänomen des Zwischen und des Begegnens. In dem Maße, wie sich diese Bewegung weiter fortsetzt, entdeckt die Klinische Philosophie neue Möglichkeiten."

Tani Toru: Klinische Philosophie und das Zwischen 2006, S. 315

Existenzielle Vulnerabilität

"Wir haben gesehen, dass die Grundbedingungen der menschlichen Existenz mit einer Labilisierung und Antinomie verknüpft sind, die eine Vulnerabilität für psychische Krankheit mit sich bringt, und ich habe anhand von Angst, Zwang, Entfremdung, Hypochondrie und Essstörung einige Beispiele dafür gegeben. Psychische

Krankheit befällt den Menschen nicht als das radikal Andere oder Pathologische,

sondern sie ist eine Möglichkeit, die mit dem Menschsein selbst gegeben ist.


Ich will diese Überlegungen nun durch den Begriff einer existenziellen Vulnerabilität ergänzen (Fuchs 2013b). Damit ist gewissermaßen die subjektive Seite der

anthropologischen Vulnerabilität gemeint. Sie besteht darin, dass gerade psychisch

Kranke eine besondere Empfindlichkeit für die Widersprüche der menschlichen

Existenz zeigen; Holzhey-Kunz (1994) spricht auch von einer Hellhörigkeit. Wir

alle leben unter den Grundbedingungen des Daseins, leiden unter den Widersprüchen etwa zwischen Autonomie und Abhängigkeit, Freiheit und Sicherheit, Selbstverwirklichung und Schuld, Lebenslust und Todesgewissheit. Doch psychisch kranke Menschen leiden darunter in besonderer Weise, nämlich so, dass unter Umständen selbst alltäglich erscheinende Konflikt- oder Verlustsituationen für sie zu

Grenzsituationen werden können, wie Jaspers (1925) sie genannt hat."

Thomas Fuchs in Paragrana 29 (2020) 2: Warum gibt es psychische Krankheit?

Akademische Intervision

Das berühmte leere Blatt Papier ...


Ob wissenschaftliche Qualifikationsarbeit, ob fertigzustellender Bericht oder eine nicht gelingender Artikel; manchmal kommen wir in die Situation, auf ein leeres Blatt Papier zu starren.


Die Philosophische Praxis ist dem kreativen Arbeiten, dem Studieren, Forschen und wissenschaftlichen Schreiben sehr verbunden. Aus diesem Grunde kann dieser Ort dazu dienen, sich im eigenen Lernen und Arbeiten neu zu orientieren. Insbesondere wenn die Kraft und die Energie immer weniger werden, kann eine Beratung angeraten sein, um neue Ressourcen und neue Wege zu erschließen. In der akademischen Intervision begibt man sich gemeinsam auf die Suche, wohin die Kraft eigentlich geht und wie sie wieder in die gewollte Richtung gelenkt werden kann.


Ich stehe Ihnen gern für alle Anliegen im Zusammenhang mit Studium, Wissenschaft, Universität, Lernen, Lehre und Ausbildung zur Verfügung. Studium und Forschung, Ausbildung und Lehre sind nicht dazu geschaffen, dass wir uns darin einsam fühlen.

Sich selbst zum Mittelpunkt machen

"Man muss sich zum Mittelpunkt machen - und in jedem Augenblick seine geheime Position verändern, damit sie stets zentral bleibt. Das ist Freiheit." Paul Valery


"Die Kraft des Geistes: man selbst sein - das heißt spüren und sich eingestehen, was man spürt: die Kraft haben, es durchzusetzen. Niemals der fremden Sensibilität ausgeliefert sein. Das führt zu Zerfaserung, Verwischung. Wohl aber die fremden Mittel aufnehmen. Zuhören." Paul Valéry


"Die Schwierigkeit besteht darin, abzuweisen, was einen hindert, man selbst zu sein - ohne gleichzeitig das abzuweisen, was einen zwingt, es zu sein." Paul Valéry

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