Klinische Philosophie &

klinisches Philosophieren



Klinische Philosophie versucht der philosophischen Arbeit in allen klinischen Kontexten einen Namen zu geben. Sie bezeichnet die Haltung einer inhärent interdisziplinären Theoriebildung und interprofessionellen Praxiskultur. Die Kultivierung dieser Haltung macht Pflegewissenschaft und Philosophische Praxis zu „Schicksalsgefährten“, denn einerseits sind sie verbunden in der Arbeit an Leib und Seele, andererseits bleibt ihnen eben dadurch die Anerkennung als Profession und Disziplin verwehrt und macht sie zu „professionellen Anti-Professionellen“. Ausgehend von der Annahme, dass zwischen Theorie und Praxis nur ein vermeintlicher Antagonismus besteht, ist daher zu untersuchen, warum die Erfahrungen „guter Praxis“ gegenwärtig auf ein „theoretisches Brachland“ fallen. Denn es scheint, wir verlieren in klinischen Kontexten viel praktische Erfahrung und kenntnisreiches Engagement an eine erstarrte Theoriebildung. Ob sich die Professionen „klinischen Philosophierens“ weiter entwickeln können, wird sich daher an „theoretischen Treibhäusern“ entscheiden, in denen die Erfahrungen „on the bedside“ eine fruchtbare Entsprechung in der wissenschaftlichen Theoriebildung finden. Denn Aufgabe und Bewandtnis tätigen Philosophierens werden sich maßgeblich daran entscheiden, ob und wie Philosophie zu den Fragen nach Sinn und Bedeutung beiträgt. Mithin wird sich ihre Bewandtnis daran erweisen, ob sie das (metaphysische) Leiden der Menschen wird lindern können. (Quelle: https://link.springer.com/book/9783658504878, 01.01.2026)



Die Masterarbeit untersucht die Frage, was "Klinische Philosophie" oder "klinisches Philosophieren" ist. In zwei Abschnitten wird der Frage nachgegangen, was ist und zu welchem Ende studiert man Klinische Philosophie. Im ersten Teil wird eine Standortbestimmung vorgenommen, die sich mit den Grenzen und Möglichkeiten einer philosophischen Praxis sowie der Verbindung von Philosophie und Therapie befasst. Im zweiten Teil wird das Werk des Psychiaters und Philosophen Kimura Bin analysiert, insbesondere sein Konzept des "Zwischen" (aida) und dessen Bedeutung für die phänomenologische Psychopathologie. ​Dabei wird insbesondere Schizophrenie als Störung der Intersubjektivität untersucht. ​Die Arbeit ordnet kulturessentialistische Tendenzen in Kimuras Werk kritisch ein und betont die Notwendigkeit eines interkulturellen Dialogs sowie einer differenzierten Rezeption seiner Schriften. Abschließend wird klinisches Philosophieren als interdisziplinäre und interkulturelle Praxis skizziert, die die Verletzlichkeit des Menschen zum Ausgang nimmt und eine Brücke zwischen Philosophie, Medizin und Psychologie schlägt.

(Quelle: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/37695/, 01.01.2026)

Was ist und zu welchem Ende studiert man "Klinische Philosophie"?

"Aber der Gesunde, dessen Seele offen geworden ist an den Grenzen, untersucht im Psychopathologischen, was er selber der Möglichkeit nach ist oder was ihm in der Ferne und Fremdheit wesentlich wird als Sprache von der Grenze her. Scheu und Ehrfurcht vor gewissen Weisen des Krankseins ist nicht nur historisch ein Tatbestand des Aberglaubens, sondern dauernd sinnvoll."

Karl Jaspers: Allgemeine Psychopathologie 1923/1973, S. 658;

siehe dazu auch Thomas Fuchs: Anthropologische Aspekte psychischer Erkrankung (2016)




"Die Krise des Individuums erfolgt jetzt jedoch nicht nur im Zwischen, sondern auch bei der Begegnung mit dem Fremden. Das Selbst ist nicht nur in seinem (vertrauten, aber gleichzeitig sozusagen ur-unheimlichen) Grund, sondern auch stets vom Außen bedroht. Das Selbst ist von beiden Seiten gefährdet. In diesem Sinne ist unsere Erfahrung immer die Gefahr. Die Klinische Philosophie untersucht den Menschen in dieser Erfahrung/Gefahr. […] Psychiatrie des Zwischen begegnet der Philosophie, oder besser, erst in dieser Begegnung entfaltet sie sich zum Konzept der Klinischen Philosophie. Deren Entstehung selbst ist schon ein Phänomen des Zwischen und des Begegnens. In dem Maße, wie sich diese Bewegung weiter fortsetzt, entdeckt die Klinische Philosophie neue Möglichkeiten."

Tani Toru: Klinische Philosophie und das Zwischen 2006, S. 315